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TimboJones´Paroxat-Tagebuch

 
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TimboJones
newbie
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Anmeldungsdatum: 29.11.2006
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: Fr Jan 26, 2007 1:32 pm    Titel: TimboJones´Paroxat-Tagebuch Antworten mit Zitat

Vorgeschichte:

Ich bin 23 Jahre alt, männlich, und leide etwa seit 6 Jahren an Erythrophobie. Die Ausprägungen meiner Krankheit unterscheiden sich kaum von dem, was hier in vielen Leidensgeschichten nachzulesen ist: Rot werden unter Beobachtung, unter fremden Leuten, bei Gesprächen, an der Kasse, in völlig banalen Situationen und so weiter.
Dabei gibt es gute und schlechte Tage. Manchmal werde ich einen ganzen Tag nicht einmal rot, manchmal in fast jeder Situation, in der mein Gesicht anderen Menschen ausgesetzt ist.
Dazu kommt eine mitunter stark ausgeprägte Depression, die ich ab dem Alter von 21 Jahren als solche erkannt und zuerst mit einer Gesprächstherapie, später mit dem Medikament Citalopram zu bekämpfen versucht habe. Weder die Therapie, noch das Medikament haben mir dabei geholfen. Citalopram habe ich etwa 2 Monate genommen und bis auf teils sehr beeinträchtigende Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit keine Wirkung feststellen können.
Ich habe in dieser Zeit eine Unmenge von alternativmedizinischen Behandlungsansätzen verfolgt: Bachblüten, Craniosacrale Therapie, Kinesiologie, Phylakmischungen, Nahrungsmittelzusätze, Ernährungsumstellung und eine Reihe anderer Methoden, deren Namen und Beschaffenheit ich schon wieder vergessen habe. Nichts davon hat geholfen.
Über die Konzentration auf meine Depression habe ich die Erytrophobie verdrängt. Vielleicht habe ich auch die Tatsache verdrängt, dass gerade die möglicherweise unterbewusste Angst, zu erröten, mich depressiv stimmte.
Ich bin weiterhin rot geworden, habe es aber ganz gut geschafft, mich daran nicht zu stören.
Seit Oktober 2006 studiere ich an einem überschaubaren Institut in einem Semester mit 20 Studierenden. Von der Anonymität einer Hochschule kann hier also nicht die Rede sein. Man kennt sich und ist im studentischen Alltag und in Projekten aufeinander angewiesen. Das plötzliche und offensichtliche Erröten stört mich in diesem Zusammenhang stark, ich stelle erste Vermeidungshandlungen fest. Da ich für die Aufnahme in dieses Studium zwei Jahre hart gearbeitet habe, möchte ich der Einschränkung meiner Leistung jetzt gezielt entgegenarbeiten.

Seit 30 Tagen nehme ich Paroxat und ich habe meine körperlichen und psychischen Reaktionen darauf schriftlich festgehalten. Zum anderen beobachte ich natürlich meine Angst vor dem Erröten und das Erröten selbst. Wenn ich es nicht aufschreibe, werde ich negative Erlebnisse verdrängen und nachträglich eine unausgeglichene Erinnerung an Situationen und Reaktionen haben. Da ich Erfahrungsberichte sehr interessant finde und (auch zu Paroxat) gerne gelesen habe, möchte ich euch auf diesem Weg daran teilhaben lassen. Ist in dieser Ausführlichkeit sicher nicht allzu interessant für die meisten, aber wozu sollte ich meine Einträge kürzen? Kostet ja nichts hier Smile

Dabei ist selbstverständlich zu beachten, dass Paroxat, wie jedes andere Medikament auch, bei jedem Menschen verschieden wirkt. Meine Erfahrungen sollen bitte nicht zum Maßstab gemacht werden und kein Antidepressivum sollte ohne Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin eingenommen werden.


Medikament: Paroxat
Wirkstoff: Paroxetinhydrochlorid
Wirkstoffgruppe: Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
Hersteller: Hexal


01. Tag: 05 mg
Eine 20 mg Tablette zweimal geteilt ergibt 5 mg. Ich spüre leichten Schwindel, halte das aber für eine psychische Reaktion und es stört mich auch nicht weiter. Ich weiss, dass selbst Patienten, die ein Placebo verabreicht bekommen, über Nebenwirkungen klagen. Die Psyche spielt bei der Wahrnehmung körperlicher Veränderungen eine entscheidende Rolle. Natürlich habe ich mich über die Nebenwirkungen von Paroxat informiert (u.a. Schwindel, Übelkeit) und glaube, dass der empfundene Schwindel ein Ergebnis von unterbewussten psychischen Prozessen ist.
Für möglich halte ich auch eine Kombination aus psychischen und physischen Reaktionen.

02. Tag: 05 mg
Ich spüre nichts und entscheide, am nächsten Tag 10 mg einzunehmen.

03. Tag: 10 mg
Ich empfinde eine ähnliche Reaktion wie am ersten Tag. Allerdings stören mich die leichten Nebenwirkungen nicht, und ich werde die Dosis nicht wieder verringern.

04. Tag: 10 mg
Ich spüre nur noch eine ganz leichte Benommenheit. Es ist Silvester, und ich kann ohne Einschränkungen meiner Wahrnehmungsfähigkeit feiern. Mit Alkohol halte ich mich für meine Verhältnisse zurück und trinke über 10 Stunden verteilt etwa 3 Liter Bier. Es geht mir den ganzen Abend/Morgen gut.

05. Tag: 10 mg
Ich stehe erst um 18 Uhr auf und schlucke 10 mg Paroxat. Ich fühle eine leichte Benommenheit, die ich aber nicht als unangenehm empfinde. Ich schaue den Tatort und fühle mich recht wohl.

06. Tag: 15 mg
Ich nehme eine halbe 30 mg Tablette und fühle mich nicht gut. Allerdings bin ich allein zu Hause und muss in keinerlei Kontakt mit anderen Menschen treten. Das gibt mir Sicherheit. Später entscheide ich, zur Bücherei zu fahren um nach einem Buch zu suchen, das ich recht dringend brauche. Auf der Strasse überkommt mich ein unangenehmer Schwindel, auf dem Weg zur Bahn überlege ich, umzudrehen. Ich muss zwei Stationen fahren. Nach 10 Sekunden Bahnfahrt bekomme ich Panik und mein Puls erhöht sich. Ich überlege, wieder auszusteigen und nach Hause zu gehen. Ich kann nicht sagen, wovor ich Angst habe, ich sitze niemandem gegenüber, bin eher bleich als rot und habe eigentlich nichts zu befürchten. Ich fahre weiter und überstehe den Rest meines Ausflugs ohne weitere Panikattacken. Abends besucht mich eine Freundin. Ich erzähle ihr von meinem Tag und fühle mich in ihrer Anwesenheit recht geborgen. Wir gehen ins Kino und es geht mir wieder besser. Die Dosis werde ich erstmal wieder verringern.

07. Tag: 10 mg
Morgens bin ich ausgesprochen kraftlos, wälze mich zwei Stunden im Bett und stehe schlecht gelaunt auf. Nach 10 mg Paroxat bin ich etwas benommen und verspüre eine innere Unruhe. Es kann natürlich sein, dass ich das Medikament nicht vertrage, aber nach einer Woche möchte ich darüber noch nicht urteilen.

08. Tag: 10 mg
Ich konnte gestern überhaupt nicht einschlafen. Ich war aufgewühlt und völlig unruhig. Unweigerlich kam mir die Beschreibung der Nebenwirkungen in den Kopf, die unter anderem davor warnt, dass sich die Suizidgefahr bei Menschen unter 30 Jahren in den ersten Wochen erhöhen kann. Ich dachte zwar nicht an Selbstmord, fühlte mich aber ausgesprochen schlecht und nutzlos. Nach drei Stunden Schlaf bin ich zur Arbeit gefahren. Eine leichte Benommenheit, wie ich sie bereits kenne, störte mich nicht weiter. Ich war überraschend fit.

09. Tag: 10 mg
Ich konnte diese Nacht wieder besser schlafen. Nach der Einname von 10 mg Paroxat kann ich keine körperlichen Reaktionen feststellen.

10. Tag: 10 mg
Heute im Supermarkt war mir mal wieder komisch. Vielleicht habe ich in letzter Zeit aber auch nicht gut gegessen. Meine seit Wochen vorherrschende Motivationslosigkeit hält an.

11. Tag: 10 mg
Heute musste ich mit dem PKW auf die Autobahn. Ich fühlte mich leicht benebelt, eigentlich war es aber OK.

12. Tag: 10 mg
Meine Sparkassenkarte war abgelaufen und ich musste diverse Stationen in einem großen, hellen Sparkassenkomplex ablaufen. Das habe ich überraschenderweise geschafft, ohne einmal zu erröten oder mich schlecht zu fühlen.
Die Uni hat wieder angefangen und ich bin nicht rot geworden. Meine Konzentrationsfähigkeit ist ein wenig eingeschränkt, es fühlt sich ein bisschen so an wie am Morgen nach einer Nacht mit viel THC. Mit der Wirkung habe ich ja eigentlich erst nach mehreren Wochen gerechnet. Ich weiss nicht, woran es liegt, dass ich mich besser fühle. Abends waren wir zu zweit Billard spielen. Eigentlich wollte ich nicht, aber es klappte prima. Ich hab sogar gewonnen. Nur als ich einmal die schwarze Kugel falsch versenkt habe, bin ich etwas rot geworden.

13. Tag: 10 mg
Ich habe sehr intensive Träume gehabt und dabei stark geschwitzt. Zwischendurch bin ich wach geworden, weil ich mir kräftig auf die Zunge gebissen habe. In der Uni war es nicht so gut. Wenn ich was gesagt habe, ist mir direkt das Blut in die Wangen gestiegen. Und ich habe überdurchschnittlich stark geschwitzt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass mein Schweiß stärker riecht als sonst. Verstärktes Schwitzen wird bei Paroxat als Nebenwirkung aufgeführt. Ich habe mich heute entschieden, einen Hautarzt aufzusuchen, da ich den Eindruck habe, dass mein Erröten durch eine dünne und strapazierte Gesichtshaut verstärkt wird.

14. Tag: 10 mg
Heute ist ein anstrengender Unitag, ich habe von 8.00 bis 16.30 Veranstaltungen. In den Pausen lerne ich. Dabei ist mein Gemütszustand die meiste Zeit über von der Erythrophobie geprägt. In einem Fach haben wir mit einer Videokamera eine Bildkomposition versucht, bei der eine freiwillige Person vor einem dunkeln Hintergrund abgefilmt wurde und die anderen verschiedene Perspektiven und Bildgrößen ausprobiert haben. Als der Professor fragte, wer sich denn freiwillig als Modell zur Verfügung stellen will, ist mir buchstäblich schlecht geworden. Dann hat ein Kommolitone zu allem Überfluss noch gesagt "Ich bin für (mein Name). Wer ist noch für (mein Name)?". Zum Glück ist der Professor darauf nicht eingegangen und ein anderer hat es dann freiwillig gemacht. Ich habe die ganze Zeit geschwitzt und dem Ende der Veranstaltung entgegengefiebert. Zu Hause war ich dann völlig erledigt und bin ziemlich schnell eingeschlafen. Morgen erhöhe ich die Dosis auf 15 mg. Es kann so nicht weitergehen.

15. Tag: 15 mg
Nach zwei Wochen gehe ich von 10 mg auf 15 mg. Der Tag verläuft problemlos. Die befürchteten körperlichen Reaktionen wie beim letzten mal bleiben aus. Heute bin ich nicht ein einziges mal rot geworden.

16. Tag: 15 mg
Auch heute läuft alles glatt. Ich bin zwar noch angespannt und wäre in dieser oder jener Situation auch rot geworden, aber es ist heute nicht passiert. Die 15 mg scheine ich auch ganz gut zu vertragen.

17. Tag: 15 mg
Ich bin heute in Köln bei meiner Schwester. Es ist sehr schön, ich kann mich wunderbar unterhalten und ich werde nicht rot. Abends trinke ich 2,5 Liter Bier und ein Glas Wein, ich habe aber keine Probleme mit Wechselwirkungen oder Kopfschmerzen am nächsten Morgen.

18. Tag: 15 mg
Ich besuche eine Freundin, kann mit ihr frühstücken gehen und werde nicht rot. Ich habe es immer vermieden, zum Frühstücken aus dem Haus zu gehen. Aber es ist alles ganz problemlos

19. Tag: 15 mg
Heute gehts mir ganz gut. Rot werde ich nicht. Unsicher fühle ich mich aber immer noch.

20. Tag: 15 mg
Ich glaube, das Paroxat wirkt noch nicht. Ich bin unsicher und heute dann auch wieder rot geworden im Gespräch mit drei Kommolitonen.

21. Tag: 15 mg
Ich bin gewohnt angespannt, rot werde ich heute nicht. Die Nebenwirkungen haben aufgehört.

22. Tag: 15 mg
Ich bin in einem sicheren Umfeld und werde nicht rot.

23. Tag: 15 mg
Auch heute geht es mir ganz gut. Abends betrinke ich mich ein wenig.

24. Tag: 15 mg
Es ist Samstag, ich muss viel arbeiten, aber das macht mir nichts aus. Es geht mir recht gut und ich bin konzentriert.

25. Tag: 15 mg
Auch heute ist Arbeit angesagt. Ich nehme mir viel vor und kriege alles hin, damit bin ich zufrieden. Wenn es mir in den nächsten Tagen weiterhin ganz gut gehen sollte, werde ich die Dosis auf 20 mg erhöhen. Die Angst vor dem Erröten ist nach wie vor präsent.

26. Tag: 15 mg
Heute läuft es ganz gut. Ich sitze in einem Fach ganz vorne und spreche im Unterricht eine halbe Minute mit dem Dozenten über einen bestimmten Sachverhalt. Eigentlich müsste ich knallrot anlaufen, aber ich spüre nur eine leichte Wärme im Gesicht. Es ist natürlich schwer zu sagen, ob da Paroxat wirkt, oder ob ich einfach mal einen guten Tag habe.

27. Tag: 15 mg
Ich bin recht angespannt. Rot werde ich nicht. Mir fällt auf, dass ich seit einigen Tagen recht oft nervös mit dem Fuß wippe.

28. Tag: 15 mg
Seit 4 Wochen nehme ich Paroxat. Eine Wirkung kann ich nicht feststellen, ich bin weiterhin angespannt und habe Angst vor dem Erröten. Allerdings habe ich auch sehr langsam eingeschlichen und nehme ja noch gar nicht die Mindestdosis von 20 mg.

29. Tag: 15 mg
Im Grunde merke ich vom Medikament nichts.

30. Tag: 20 mg
Heute nehme ich das erste Mal eine ganze Tablette. Mir ist ein wenig mulmig, aber eigentlich geht es mir recht gut, etwas müde bin ich.


Ich werde nun beobachten, wie sich mein Körper an 20 mg Paroxat am Tag gewöhnt und ob sich eine nachhaltige Verbesserung der Depression und Erythrophobie einstellen wird. Die Ergebnisse werden nachgereicht, wenn gewünscht!
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eine
alter hase
alter hase


Anmeldungsdatum: 30.06.2006
Beiträge: 581
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: Fr Jan 26, 2007 2:18 pm    Titel: Antworten mit Zitat

hi timbojones,

vielen dank, dass du uns deine berichte zur verfügung stellst! ich finde es sehr interessant, das so genau nachlesen zu können und wäre dir sehr dankbar, wenn du uns weiterhin deine berichte zeigst.
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Tom83
poweruser
poweruser


Anmeldungsdatum: 03.10.2006
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: Di Mai 15, 2007 10:25 am    Titel: Antworten mit Zitat

Hey timbo,

mich würde wohl interessieren wie es dir nun dabei geht....
Vieleicht könntest du die Geschichte ja mal zu Ende führen
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