Mein persönlicher Ausweg....

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Tom83
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Mein persönlicher Ausweg....

Beitrag von Tom83 » Fr Okt 24, 2008 12:20 am

So,.......
ich bin nun seit genau 2 Jahren in diesem Forum aktiv und bin somit gleichzeitig seit ca 2 Jahren aktiv dabei gegen meine Ery anzugehen bzw mit ihr umzugehen.
Mittlerweile hat sich bei mir eine ganze Menge getan und ich habe einen sehr großen Erfolg hinter mir und will es nicht verheimlichen.
Mein Weg ist mit Sicherheit nicht der Masterweg der jetzt allen helfen wird, aber einigen vielleicht....

Als erstes habe ich versucht meine Ery medikamentös zu bekämpfen, was erst ein Erfolg war,...nach `ner Zeit verflog die Wirkung allerdings und immer Medikamente nehmen, das war auch nciht der richtige Weg.

Nach einigerZeit habe ich eine Therapie begonnen.
Das war eine unwahrscheinlich lockere Sache. Der Arzt hatte seine Praxis ca 20 min mit Auto entfernt und eine Stunde dauerte ca 40 min wobei die Kosten von der Kasse getragen wurden.
Bei der Sitzung haben wir mein Problem, den Ursprung, die Auswirkung, die Vor- und Nachteile besprochen. Und obwohl ich die mir aufgetragenen Aufgaben nicht immer mit der Sorgfalt erledigt habe, mit der ich es eigentlich sollte, brachte mich die Therapie in großen Schritten weiter!
Ich habe gelernt wie man die eigenen Gefühle, Ängste und Reaktionen hinterfragt, wie man sie begreift.
Nach einiger Zeit ahben wir dann zusammen festgestellt, das die Ery nicht das Problem sei, die Ery ist ein Alarmsygnal,....-für irgendetwas-....!
Ein Signal was regelmäßig auftaucht und mich warnen soll....-vor was??-
Die Ery ist aber auch ein Abwehrsignal, tritt sie auf, heißt es für andere Leute
-lasst mich mal in Ruhe
-jetzt nicht
oder ähnliches.
Sie soll mich also warnen und beschützen, aber wann vor wem und warum.

Es fing also an das ich nicht die Ery bekämpfen musste, sondern das, was es auslöst,...-aber was war es denn??

Wir haben viel drüber gesprochen und auch zu hause habe ich mir viele Geadanken gemacht.
Die Lösung war beinahe so einfach, sie lag vor mir und ich habe es nicht gesehen.
Das Problem bei mir war, oder es ist es teilweise noch immer, das ich ständig immer und überall versuche es allen Leuten recht zu machen und das schon auf einer fast krankhaften ebene.
Ich mache nicht das was ich will, ich mache das von dem ich denke das andere mich dafür bewundern. Iich finde eine Sache nicht gut weil ich sie gut finde, sondern weil es alle tun. Wenn ich Freizeit habe fantasiere und male mir mal wieder aus wie ich sein müsste damit mich alle mögen, wie ich mich verändern muss, wie ich mich geben muss, wie ich mich zu verhalten habe. Immer nach den anderen, so das mein eigener charakter darunter schon fast ertrunken ist,...-ist es das wovor mich die Ery warnt???
Es ist bei mir so heftig,: Der Therapeut hat folgende Aufgabe vorgeschlagen:
-Jedes mal, wenn du am Tag dein handeln nach andrern richtest, oder du nur die Überlegung hast wie andere dein jetziges Verhalten beurteilen würden, dann lege ein Euro in eine Kasse!!

Gesagt, getan, -am Ende waren es über 50€ !!!

Wenn ich zwischen 2-3 Menschen saß, bin ich nicht rot geworden, da konnte ich den Menschen nach dem Mund reden, kam auch gut an.
Aber wenn es mehr wurden, dann musste ich auch immer mehr Menschen gefallen, die aber so unterschiedliche Meinungen hatten, denen konnte ich gar nicht allen gefallen, aber ich musste doch. Ich habe mich ständig Kritik unterzogen, wo gar keine war. Wenn ich von den Menschen wegkam, habe ich mir wieder gedacht, oh, für den warste zu still, für den hattest du nicht genug Ahnung, der hat gedacht du sieht hässlich aus, der hat nur auf meine dreckige Hose geguckt, der hier der da, ...aber was war mit mir. Und hat wirklich einer schlecht über mich gedacht?????
Wenn ich mir vorstelle wer alles wie schlecht über mich denken kann, dann mus ich ,mich auch selber kritisieren. Damit ich allen gafallen kann, habe ich mir im Hinterkopf schon wieder ausgemalt, wie ich sein müsste, damit ich für alle perfekt bin. Die Ideale waren nachher so hoch gesteckt, ich konnte mich selber nur noch als unperfekt betrachten....und dann ist es auch einfach ein Selbstwertgefühl zu zerstören,..- ohne Probleme!!!
Die Ideale stiegen genau wie die Meinung unperfekt zu sein und in bezug mit anderen Personen war ich mitllerweile so Übersensibilisiert, das ich jedes mal,
- wenn ich unter Gruppen mit mehr als 5 Personen;
- wenn ich in hellen Räumen,
-wenn ich mich zu Wort gemeldet habe
- usw
unter der Last der möglichen Kritik zusammengebrochen bin. Ich wurde rot, panisches Schwitzen, der Kopf will reden nur der Mund bleibt stumm, usw ihr kennt das ja ` )

Mittlerweile ist das anders. Ich habe erkannt das ich mich finden muss. Mein Verhalten selber kritisieren und loben muss, und nicht von anderen. Es gibt so viele Leute mit Meinungen, es ist unmöglich sich danach zu richten oder sich danach zu biegen.
Was wichtig für einen Menschen ist, das ist das eigenen Leben und dazu die eigene Meinung!

Wenn ich mich abends hinsetze, zur Ruhe komme, den Tag revue passieren lasse und darüber nachdenke was ich gut fand, was meine Meinung ist, was meine Interessen sind. Die Welt betrachte, und das NUR aus meiner Sicht, dann schaffe ich es nach Tagen auch immer mehr davon loszukommen und werde mittlerweile bemerkenswert charakterstärker.
Mit der eigenen Meinung kam die aufrechte Haltung, auch wenn es mal stürmisch wurde. Wenn ich jetzt in Runden sitze, die größer als 5 Mann sind, dann liegt mein Hauptaugenmerk nicht mehr darauf wie die anderen mich gerne hätten, sondern wie ich bin. Und ich lebe mich dann so aus. Ich denke teilweise gar nicht mehr daran das mich die Leute kritisieren, ich habe einen Charakter, eine Meinung und einen Standpunkt. Da können dann noch so viele vor mir sitzen oder der Raum noch so hell sein.
In Standartsituationen, wie an der Kasse, im Reastauirant, beim Essen, etc werde ich schon lange nicht mehr rot.
Wenn ich rückfällig werde, oder bei peinlichen Situationen, dann evtl, aber ansonsten habe ich mein Problem erkannt und kann es auch bannen so das die Ery verschwindet.

Vieleicht denkt ja jemand genauso, oder ist auf ähnliche Weise an die , nun ja, übersensible Reaktion auf Mitmenschen gekommen.
Vieleicht konnte ich denen einen Denkanstoß geben, vielleicht hilft es jemanden.......


wer weiß wer weiß....

Es ist also auf jeden Fall nicht unmöglcih die Ery loszuwerden, man muss nur den Druckpunkt finden......

eine
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Beitrag von eine » Fr Okt 24, 2008 11:24 am

hi tom!

vielen, vielen dank für deinen beitrag, den ich total interessant finde und in dem sich sicherlich einige wiederfinden werden.
es freut mich sehr, dass du einen weg raus aus der ery gefunden hast! ;-)
*2. Mitglied der Anti-Winter-Kampagne*

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...hey hoo

Beitrag von Egbert » Fr Okt 24, 2008 9:08 pm

hey super tom
hoert sich super an und bin ueberzeugt,
dass du die Ery im Griff hast.
Super klasse...gany viele Gruesse Eggi :wink:
-----und ewig grüßt das Murmeltier !!!

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super

Beitrag von riccline » Fr Nov 27, 2009 11:09 pm

hey,

ich find das dermaßen von super.. zumal ich das auch schon ewigkeiten so probier aber es net wirklich funktioniert.

wäre echt interessant mal zu erfahren wie es dir nach der langen zeit so geht... ob du es echt geschafft hast .

wünsch dir ganz viel kraft und das es auf dauer so gut bei dir weiterläuft!!

LG

riccline

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Beitrag von mahagonie » Mo Nov 30, 2009 8:03 pm

hallo tom,

danke für den tollen bericht, es wird vielen mut machen .
alles was du da beschreibst, kenne ich ganz genau so.
und ich gebe dir recht, man kann es schaffen...mittlerweile würde ich mich
auch als "so-gut-wie-geheilt" bezeichnen, natürlich mit manchen rückfällen, aber die nehme ich mir nicht mehr so zu herzen wie früher.
den weg der medis habe ich auch für 1,5 jahre gewählt, und das war auch gut so. ich wurde selbstsicherer. rotwerden hat mir nichts ausgemacht. diese wirkung hat nicht nachgelassen, nachdem ich die medis abgesetzt habe.
zeitgleich hatte ich viele gespräche mit einer psychiaterin. alles in allem, genau wie du es beschreibst...man muss es selber angehen, weil ich glaube, von alleine geht es nicht weg...

ich finde es toll tom, dass du soweit gekommen bist...super
viel glück weiterhin
glg maha
~~~ was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr ~~~

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Beitrag von Egbert » Mi Dez 02, 2009 8:33 pm

sag ich ja :wink:
-----und ewig grüßt das Murmeltier !!!

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Beitrag von Egbert » Mi Dez 02, 2009 8:33 pm

sag ich ja :wink:
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Beitrag von Rothaarsteig » Fr Dez 04, 2009 6:57 pm

Hey

Das is so ziemlich das was mich gerade auch beschäftigt...
Als ich über DIESEN Ursprung das erste mal gelesen hab, ist mir auch ein licht aufgegangen und ich dachte so BÄM, das ist der Weg ^^
Allerdings kann ich das nochnicht so umsetzen...
ich pass mich immernoch an, reagier nicht so wie ich will ... in letzter zeit ist es auch irgendwie komisch schlimmer geworden, wie ichs bei meiner vorstellung gerade berichtet hab ... Ich hoffe ich finde ma ruhe um über mich nachzudenken, ohne immer wieder in dieses loch zu fallen in dem man sich selbst vorwürfe und paniken macht...

Aber (auch wenns tom wahrscheinsch net mehr liest ^^ ) danke dafür, dass DAS wahrscheinlich DER weg ist das ganze anzugehen ...

Tom83
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Beitrag von Tom83 » Do Jun 17, 2010 1:21 pm

To think about.......

Ich denke mal dass meine Last mit dem Erröten daher rührt, das ich als Kind sehr an einer ADS gebunden war.
Ich war halt die meiste Zeit in einer Art Traumwelt, gar nicht recht wach. Ständig war ich abwesend und habe mir die Welt ganz anders vorgestellt.
Ich kann gar nicht sagen in wie viele peinliche Situationen mich das derzeit gebracht hat. So viele Tadel und schlechte Noten in der Schule durch ständige Unaufmerksamkeit.
Auch im Freundeskreis war es so manches Mal echt hart. Zudem glaube ich, das meine persönliche Entwicklung dadurch ein wenig auf der Strecke blieb und erst im nach hinein vollständig reifte.

Die ganzen Jahre führten zu dazu, dass mein Selbstwertgefühl vollkommen zerkratzt wurde. Ich fing an zu glauben ich müsse perfekt sein, müsse jedem gefallen, müsse immer der Beste sein.
Umso mehr ich mich schämte, umso mehr habe ich mich in meine Traumwelt begeben und mit vorgestellt wie ich sein müsste, damit ich mich nie wieder blamiere.
Ich erstellte vollkommen unerreichbare Ideale und Muster. Ich konnte ja irgendwann gar nicht mehr mit mir zufrieden sein, wie sollte das auch gehen wenn man solcher Erwartungen an sich hat.
Im nach hinein muss ich sagen, war ich eigentlich recht beliebt zu der Zeit, kam gut mit den Menschen klar, aber meine Ideale sahen noch viel perfekter aus. Also gab es selten einen Grund zur Zufriedenheit. Ständig habe ich mich selber kritisiert und mir eingeredet das andere mich auch nicht mögen könnten.
Ich habe mich sehr enorm unter Druck gesetzt, habe mich selber hart gebeutelt.

Irgendwann musste es kommen wie es kommen musste. Ich war mir selber peinlich. Immer und immer wieder. Ich habe mich nicht mehr zu anderen getraut und kaum war ich in einer Situation, wo ich mich unperfekt fühlte, wurde ich rot.

Das war der Beginn der Erythrophobie! Ab jetzt reifte in mir eine Verhaltensstörung nach dem Muster eines Angstkreislaufes.
Ständig erreichte ich meine Ideale nicht, kam mir blöd vor, habe mich bis zum bittersten kritisiert.

Aber war ich wirklich peinlich, unperfekt, ungenügend???

Oder war ich nur mal anderer Meinung, hatte andere Vorstellungen?
In Diskussionen wäre ein Schluck Wasser standhafter gewesen als ich. Kam es zu einer Meinungsverschiedenheit habe ich sofort nachgegeben.





Warum?
A: Ich musste dem Gegenüber doch gefallen und nicht mit ihm streiten
B: Ich habe mir selber nicht mehr getraut

Ständig musste ich jedem anderem gefallen, so sein wie er es mochte. Ich brauchte ein positives Feedback! Ich musste doch hören das andere mich gut finden,....und nicht das ich ungenügend bin!!! Das muss mir doch einer sagen!

Irgendwann platzte der Ballon. Ich kam mit der Ery nicht mehr klar. Ich weiß nicht was die Kollegen von mir dachten als ich in der Firma anfing und ständig errötete, wie ein kleines Mädchen. Haben die gedacht ich wäre dumm? Oder stimmte was mit meiner sexuellen Gesinnung nicht wenn ich immer vor Männern rot werde?
Wer konnte schon wissen das ich mich immer für mich schämen musste und eigentlich nur allen gefallen wollte......

Ständig stand ich unter Strom, ständig habe ich an mir gefeilt.

Ich habe mich irgendwann in Behandlung begeben um die Ursache zu erforschen und mich von der Ery zu befreien.
Wir hatten raus gefunden das das Erröten mit dem zwanghaften „Gefallen wollen“ zu tun hatte.
Immer habe ich mich danach gerichtet wie ich sein müsste, damit mich alle mögen, damit ich bewundert werde, damit ich perfekt bin und mich nie wieder schämen müsste.

Dies hat dazu geführt, das ich stark an Profil verloren habe, ich war nicht mehr ich selber. Ich war nur noch das was andere haben wollten.

Mittlerweile hab ich die Bremse gezogen. Ich habe mich selber analysiert um zu schauen, was ich wirklich will, was ich bin und wie ich mir gefalle. Nun stelle ich mir nicht immer die Frage wie ich wohl sein müsste, sondern bin wie ich bin. Auch das Verbiegen hat ein Ende gefunden.

Ich bin nun Selbstbewusst, weil ich meinen eigenen Weg gehe, weil ich mich selber mag.
Das kuriose daran ist, das ich oftmals den Eindruck habe nun besser mit den Menschen umgehen zu können. Klar gibt es solche Personen, bei denen es Antipathie gibt, das ist doch ganz natürlich!
Aber mit der Mehrzahl der Menschen komme ich nun besser klar. Ich fühle mich angenommen und verstanden.

Das Erröten tritt nun nur noch ganz selten auf,....und wenn, dann stört es mich nicht weiter. Warum auch?
Ich denke nun meinen Weg gefunden zu haben und die Ery überwunden zu haben.
Sie kein Bestandteil meines täglichen Lebens mehr!



Ich denke nicht das dieser Weg die Allzwecklösung für jeden ist, aber ich denke das jeder seinen Weg finden kann!
Ich möchte erzählen das es möglich ist der Ery zu entkommen und das es leichter ist als viele denken.
Man muss den Druckpunkt, die Wurzel suchen. Das Erröten ist nur ein Symptom! Das mag natürlich einfach klingen, ist es aber nicht. Man muss lange und tief suchen, und sich ständig selber Analysieren.
Wenn man den Punkt aber hat und an sich arbeitet, treten Automatismen in Kraft die den Angstkreislauf aushebeln und einen begehbaren Weg aus der Erythrophobie eignen. Und das gilt hoffentlich für jeden.......

Ich hoffe ich konnte helfen!

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